#hambibleibt: Zu Gast bei den Waldrettern

Dank eines lieben Freundes, durfte ich heute eine sehr exklusive Führung durch den Hambacher Forst erleben. Gehört und gelesen hatte ich über die Waldbesetzung schon sehr viel. Fast täglich berichtet die Presse mittlerweile über diesen besonderen Kampf Davids gegen Goliath, der schon seit 2012 vor unserer Haustür ausgetragen und ausgehalten wird.

Worum geht es? Der Energiekonzern RWE betreibt den angrenzenden Braunkohletagebau, der seit 1978 ein 10 x 8 km breites, bis zu 450 m tiefes Loch in die Landschaft gefressen hat. Auch unter dem Hambacher Forst liegt der begehrte „Schatz“. Kein Wunder, der Wald besteht seit der letzten Eiszeit und ist damit gut 12.000 Jahre alt. Das Land gehört bereits der RWE, die ihn immer weiter gerodet hat. Von ursprünglich 5.000 Hektar Wald sind heute gerade noch 660 übrig. Auch unzählige Dörfer im Umland wurden abgerissen, mit teils prächtigen Kirchen und alten Bauwerken.

Aber warum? Die Gewinnung der Braunkohle ist doch eigentlich ein Verbrechen gegen die Natur und ihre Verarbeitung macht sie zum Klimakiller Nr 1.! Eigentlich brauchen wir sie doch garnicht mehr. Es gibt ausreichend Alternativen. An der Kante zu dem riesigen Loch bekomme ich Tränen in den Augen und frage mich, wie der Mensch die Erde so gleichgültig zerstören kann.

Gut 100 Menschen haben es sich zur Herzensangelegenheit gemacht, den Wald und seine Arten zu beschützen. Sie leben in über 30 prächtigen Baumhäusern. Drei „Dörfer“ gibt es und ein paar einzelne Siedlungen. Die Menschen sind ganz modern organisiert. Es gibt keinen „Anführer“, was sie vereint sind ihre gemeinsamen Werte. Jeder unterstützt die Gemeinschaft mit seinen Fähigkeiten. Gegessen wird Vegan. Die umliegenden Bauern versorgen die Menschen mit Lebensmitteln, Firmen spenden Paletten und Baumaterial, die Bürger der Nachbarschaft bringen regelmäßig Trinkwasser. Zum Spülen, Waschen, Körperpflege wird überall auf dem Gelände Regenwasser in großen Planen aufgefangen. Müll gibt es keinen. Alles wird kompostiert – auch wenn man mal „muss“. Auch Strom gibt es. Einige Baumhäuser verfügen über Solarzellen auf ihren Dächern. In jedem Dorf gibt es Gemeinschaftsräume in denen alle zusammen kommen, Gemeinschaft erleben und organisieren. Das sind riesige Baumhäuser mit Öfen, Küchen, Sitzmobiliar, Terrasse, etc. Teilweise erstrecken sie sich über 3 Etagen den Baum hinauf.

Ich bin verblüfft, denn die jungen Menschen die hier leben kommen aus den unterschiedlichsten Ländern der Erde. Gesprochen wird daher meist Englisch. Jeder trägt einen Waldnamen, weil ihre ursprünglichen Identitäten aus juristischen Gründen geschützt werden müssen. Denn auch wenn ihr friedvolles Handeln für mich völlig nachvollziehbar ist, verstößt es gegen geltendes Recht, diesen Wald zu besetzen. Ein Umdenken ist daher dringend erforderlich! Denn nur weil eine derartige Zerstörung unseres Lebensraumes heute noch nicht als Verbrechen gilt, kann es nicht bedeuten, dass es richtig ist. Vor Jahrzehnten war es rechtens, dass Frauen nicht wählen durften, dass Kinder in der Schule gezüchtigt wurden oder dass Menschen als Sklaven gehalten werden. Manchmal muss eben auch das Recht mit der Zeit gehen…

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